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Dokumentation

 
Aribert Heim um 1950.
Aribert Heim um 1950

Dokumentation

Meistgesuchter Nazi-Verbrecher seit 1992 tot

Aribert Heim lebte als Muslim in Kairo

Der meistgesuchte Nazi-Verbrecher Dr. Aribert Heim ist seit Jahren tot. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Recherche von ZDF und New York Times. Augenzeugenberichte und Dokumente belegen, dass der ehemalige KZ-Arzt am 10. August 1992 in Kairo an Enddarmkrebs starb.

 
 
 
 

Heim hatte sich in der ägyptischen Hauptstadt nahezu dreißig Jahre lang vor den Ermittlern deutscher und internationaler Behörden, sowie den Fahndern des Simon-Wiesenthal-Centers versteckt gehalten. Zur Tarnung war er Anfang der 1980er Jahre sogar zum Islam konvertiert und trug seitdem den Namen Tarek Farid Hussein. Vorher hatte er unter seinem zweiten Vornamen als Ferdinand Heim in Kairo gelebt.

 

Dokumente im Hotel

Unter mehr als einhundert Dokumenten, die dem ZDF und der New York Times vorliegen, befinden sich die Kopie eines ägyptischen Passes, Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen, Kontoauszüge, persönliche Briefe und medizinische Unterlagen, die Aribert Heim bis zu seinem Tod in seinem Zimmer in einem Kairoer Hotel aufbewahrt hatte. Danach lässt sich zweifelsfrei nachweisen, dass Hussein und der gesuchte Nazi-Verbrecher ein und dieselbe Person sind. Die Recherchen werden von zahlreichen Zeugen bestätigt, unter ihnen der Sohn des Gesuchten, der derzeit in Baden-Baden lebt.

 
Aktentasche von Aribert Heim. Quelle: ZDF
ZDF
Die Aktentasche von Aribert Heim

 

"Ja, mein Vater hat in Kairo gelebt", so Rüdiger Heim in einem ZDF-Interview. Er habe seinen Vater Mitte der 70er Jahre erstmals in Kairo besucht und ihn später auch nach einer Krebsoperation Anfang 1990 über mehrere Monate gepflegt. "Die Diagnose war 'nicht heilbar'. Anschließend gab es dann eine Chemotherapie und eine Strahlentherapie." 1992 sei Aribert Heim dann gestorben: "Am Tag nach dem Ende der Olympiade, am 10. August frühmorgens, ist er eingeschlafen."

 

Flucht 1962

Dank der Quellenlage ist es erstmals möglich, die Flucht und das verborgene Leben des so genannten Todesarztes von Mauthausen zu rekonstruieren. Aribert Heim wird seit den 1960er Jahren international gesucht. Der gebürtige Österreicher soll 1941 als SS-Arzt im Konzentrationslager Mauthausen zahlreiche, vor allem jüdische Gefangene ermordet haben. Nach Aussagen von Augenzeugen habe Heim an betäubten Patienten medizinische Experimente durchgeführt, ihnen willkürlich Organe entnommen und sie durch Benzininjektionen ins Herz getötet.

 
Häftlinge im KZ. Quelle: ap
ap
Im KZ Mauthausen tötete Heim mutmaßlich 244 Häftlinge.

 

Das Operationsbuch des KZ belegt, dass der Arzt für 244 Operationen verantwortlich war. Dennoch war Heim nach dem Zweiten Weltkrieg als 'Mitläufer' entnazifiziert worden und hatte in Baden-Baden eine Frauenarztpraxis eröffnet. Erst 1962 wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Heim tauchte unter und reiste nach Angaben seines Sohnes über Frankreich, Spanien und Marokko auf dem Landweg nach Ägypten. Die notwendigen Gelder für seinen Lebensunterhalt wurden ihm von seiner Schwester in unregelmäßigen Abständen überwiesen. Sie stammten aus den Einnahmen eines Mietshauses in Berlin, das Heim gehörte.

 

Heims Sohn im Interview

Im ZDF-Interview berichtet Rüdiger Heim detailliert über die Begegnungen mit seinem Vater zwischen 1975 und 1992. Dabei habe er ihn auf die Vorwürfe angesprochen, die ihm im Detail aber erst seit der Medienberichterstattung über das so genannte Sühneverfahren gegen Aribert Heim im Jahr 1979 bekannt geworden seien: "Dann habe ich ihm natürlich diese Frage gestellt, ob er diese Person ist. Und ich kann jetzt nur wiedergeben, was er mir gesagt hat - ich bin kein Staatsanwalt, ich bin kein Richter - er hat das von sich gewiesen."

 
Diagnose Aribert Heim. Quelle: ZDF
ZDF
Biopsie-Ergebnis von Aribert Heim. Die Diagnose: Darmkrebs

 

Ägyptische Freunde, Bekannte und auch der Arzt von Aribert Heim wussten nach ZDF-Recherchen nichts von der dunklen Vergangenheit des KZ-Doktors. Übereinstimmend bestätigen sie aber die Umstände um die Krebserkrankung und den Tod Heims im Sommer 1992. Demnach sollte der Leichnam nach dem Willen des Verstorbenen medizinischen Zwecken zur Verfügung gestellt werden. Da dies nach islamischem Recht verboten ist, wurde Hussein alias Aribert Heim offenbar auf einem Armenfriedhof nahe der Kairoer Altstadt begraben. Die Grabstellen werden nach wenigen Jahren wieder freigegeben, so dass die Chance, sterbliche Überreste zu finden, gering ist.

 

Sterbeurkunde für Tarek Farid Hussein

Dem ZDF und der New York Times gelang es, von ägyptischen Behörden eine beglaubigte Zweitschrift der Sterbeurkunde Heims zu erhalten. Nach dem Dokument mit der Registriernummer 213, Gesundheitsbezirk Gamaleya, starb Tarek Farid Hussein am 10. August 1992. Bisher gehen das Simon-Wiesenthal-Center, auf dessen Fahndungsliste Aribert Heim an erster Stelle steht, sowie die Zielfahnder des Landeskriminalamts Baden-Württemberg davon aus, dass der Nazi-Verbrecher noch am Leben ist und sich mutmaßlich in Südamerika versteckt hält.

 

Infobox

Die Suche nach Dr. Tod

Die detektivische Suche nach Aribert Heim in den Straßen von Kairo und die gefundenen Dokumente und Zeugenaussagen sehen Sie in einer Fernsehdokumentation, die das ZDF am Donnerstag, den 5. Februar, um 21 Uhr unter dem Titel "Most Wanted Nazi - Das Geheimnis des Dr. Tod" ausstrahlen wird.

 

Allerdings gab es schon 1967 einen Hinweis darauf, dass Heim in Ägypten als Polizeiarzt gearbeitet haben soll. Eine Überprüfung durch deutsche und ägyptische Behörden blieb allerdings ergebnislos. Jetzt bestätigte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg dem ZDF, dass seit einigen Tagen eine eidesstattliche Erklärung vorliegt, die die Recherchen über das Leben und den Tod Aribert Heims in Ägypten bestätigt. Der Wahrheitsgehalt der Erklärung werde derzeit überprüft.