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13. Februar 2012
 

Dokumentation

 
 
Rückblick: Dokumentation vom 17.02.2010 Nachtprogramm
 

Ich, der Euro

Währung in der Krise

Es ächzt im Gebälk der Währungsunion. Zunächst hat sich der Euro bewährt als Stabilitätsfaktor. Doch jetzt mehren sich die Alarmsignale: Seit der Finanzkrise hat der Eurokurs gegenüber dem Dollar deutlich nachgegeben. Die Mitgliedsstaaten driften in ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit immer weiter auseinander. Es rumort in vielen Ländern, zum Beispiel in Irland. Nach der Abwertung des britischen Pfundes brachen die Exporte nach England dramatisch ein, Banken stützungen trieben die Schulden gewaltig in die Höhe. Die Zinssätze irischer Staatsanleihen zogen auf 2,5 Prozentpunkte über der deutschen Benchmark an. Während Deutschland sich billig am Kapitalmarkt refinanzieren kann, muss Irland fast doppelt so tief in die Tasche greifen. Eine Spirale der Verschuldung, aus der sich Irland wohl kaum aus eigener Kraft befreien kann. Und damit hat die ganze EU ein Problem.

Irland ist kein Einzelfall. Griechenland, Spanien, Portugal. Neuerdings - durch die sich verschärfende Krise in Osteuropa - auch Österreich. Die Liste der Länder mit gewaltigen Schwierigkeiten ist lang. Schon machen Spekulationen um einen drohenden Staatsbankrott die Runde. Vom Einhalten der Maastricht-Kriterien redet niemand mehr. Die EZB steht vor ihrer größten Bewährungsprobe und muss sich fragen: Wie gefährdet ist der Euro? Wird er die Finanzkrise überhaupt überleben? Oder ist das Undenkbare möglich: Halten wir bald sogar wieder die D Mark in den Händen?

Die ZDF-Autoren Thomas Walde, Christian Kirsch und Frank Bethmann haben sich auf die Suche nach Antworten gemacht. Sie waren nicht nur in Irland unterwegs. Sie haben sich auch auf dem G20-Gipfel in London an die Fersen des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück geheftet. Wie ernst sieht er die Lage? Sollen die starken Länder die schwachen stützen? Muss Deutschland also bald mit Steuer-Milliarden andere Euro-Staaten retten? Was bedeutet das für uns?

Der Frage "Der Euro vor der Zerreißprobe?" stellten sich auch der oberste Währungshüter, der Präsident der EZB Jean-Claude Trichet, und Axel Weber, der Bundesbankpräsident, sowie die Väter der Idee einer gemeinsamen europäischen Währung: Helmut Schmidt und Giscard d'Estaing.

Der Film nähert sich aber auch der Frage, warum der Euro bis heute nicht richtig in den Herzen der Deutschen angekommen ist. Und warum der Euro - zu recht oder zu unrecht - als Teuro verdammt wird? Dazu geben die Autoren der Gemeinschaftswährung in Form eines Ich-Erzählers eine Stimme: "Ihr habt mich doch bei meiner Geburt gefeiert? Jetzt soll ich an allem schuld sein?"

Nicht alle haben den Euro gefeiert. Professor Wilhelm Hankel klagte zusammen mit Kollegen bereits bei der Einführung gegen die Gemeinschaftswährung und fühlt sich heute bestätigt. Er sieht im Euro einen Beschleuniger der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und erwägt sogar eine erneute Klage. Ein Zurück zur D-Mark kann er sich gut vorstellen. Zurück ist sie bereits in der Kleinstadt Friedrichsdorf, nur 20 Kilometer entfernt von der "City of the Euro", Frankfurt am Main. In Friedrichsdorf hat man kurz vor Weihnachten wieder die D-Mark eingeführt. In fast allen Geschäften des Ortes klebt ein Schild "Hier kann man auch mit D-Mark bezahlen". Und die Kunden machen davon ordentlich Gebrauch. Kein Wunder: Sieben Jahre nach der Abschaffung der D-Mark befinden sich noch immer knapp 14 Milliarden D-Mark im Umlauf. Und so kann man in Friedrichsdorf das Gefühl leben: Was wäre eigentlich ohne den Euro?

Eine Frage, die auch in anderen Euroländern immer häufiger zu hören ist. Italiener denken laut über die Lira und Österreicher über den Schilling nach. Aus all diesen Ländern fängt die ZDF-Dokumentation Stimmen und Stimmungen ein. Das umfassende Meinungsbild zeigt, dass der Euro viele Erleichterungen und Vorteile gebracht hat, dass die Währungsunion aber nicht zu Ende gedacht worden ist. Es fehlt eine europäische Wirtschaftspolitik aus einem Guss. In der Krise zeigt sich nun schonungslos dieses Defizit. Kleinere Länder am Rande der Union haben über ihre Verhältnisse gelebt und es versäumt, ihre Sozialsysteme, die Arbeitsmärkte und Staatshaushalte in Ordnung zu bringen. Unter der Decke der einheitlichen Währung lebte der alte Schlendrian fort. Die Defizitländer wie Griechenland, Italien oder Portugal stehen vor der Wahl, entweder ihre Schuldenpolitik aufzugeben - oder den Euro.

Film von Frank Bethmann, Christian Kirsch und Thomas Walde
 
 

Sendungsinformationen

Mittwoch, 17.02.2010 00:35 - 01:20 Uhr Nachtprogramm

VPS 18.02.2010 00:34

Länge: 45 min

Dokumentation, Deutschland, 2009

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