Er löste ein Beben in der Finanzwelt aus, das noch Jahre nachhallen wird: Der Zusammenbruch des US-Investmentgiganten Lehman Brothers. Rund ein Jahr nach dem Beginn der "Jahrhundertkrise" der Wirtschaft blickt das ZDF hinter die Kulissen der Lehmanpleite.

Am Wochenende vom 12. auf den 14. September 2008 kommt es in New York zu einem brisanten Krisentreffen mächtiger Finanzpolitiker, Großinvestoren und Bankenbosse. Der damalige Finanzminister der Regierung Bush, Henry Paulson, hatte in die Zentralbank in der Liberty Street gerufen, einem Bau wie eine Festung, und 30 der mächtigsten Finanzführer der Welt waren gefolgt. Über das Schicksal der angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers sollten sie befinden. Ganze 48 Stunden dauerte ihr Pokerspiel um Macht und Milliardensummen. Anfangs ahnte niemand, dass der Ausgang des Krisenwochenendes den Lauf der Weltwirtschaft in den Grundfesten erschüttern würde.
Finanzminister Paulson hatte noch kurz zuvor andere marode US-Banken mit Staatsgeldern gestützt. Vergeblich warnten europäische Bankmanager ihn nun davor, ausgerechnet die international vernetzte Großbank Lehman fallen zu lassen. Am Abend des 14. September war der Fall des Bankhauses Lehman besiegelt: Die Entscheidung am Krisentisch war gegen eine Rettung gefallen, die schwarzen Limousinen der Finanzführer verließen eilends die Zentralbank. Unwissentlich hatten ihre mächtigen Insassen soeben eine Kernschmelze des globalen Bankensystems ausgelöst.
Viel schlimmer noch: Mit den verlorenen Milliardensummen sollte auch das Grundvertrauen in die Stabilität des westlichen Wirtschaftssystems erodieren - die größte Weltwirtschaftskrise seit dem Schwarzen Freitag von 1929 nahm ihren Lauf. Regierungen überall auf der Welt denken heute über die Verstaatlichung von Konzernen und immer neue Staatsschulden nach - mit Massenarbeitslosigkeit und Inflation als möglichen Folgen. Das alles hat mit der Krisennacht um die Lehman-Bank zu tun.
Die Dokumentation rekonstruiert die Hintergründe des Weltwirtschaftsbebens verdichtet auf die entscheidenden 48 Stunden im September 2008. Wer und was gaben an jenem Wendepunkt den Ausschlag für den Jahrhundert-Crash? War es das kurzsichtige Kalkül der US-Republikaner, in der heißen Phase des Wahlkampfes 2008 nicht für unpopuläre Milliardenhilfen an eine Großbank einstehen zu müssen? Spielte gar die persönliche Feindschaft zwischen den einstigen Weggefährten Paulson und dem Lehman-Chef Richard Fuld eine Rolle? Oder war es ein kollektives Versagen mächtiger Finanzführer, welche die Gefahr eines Erdrutsches für die Weltwirtschaft schlicht unterschätzten?

In der Koproduktion von ZDF und BBC geben hochrangige Krisenmanager des Lehman-Wochenendes Einblicke in die schicksalhaften 48 Stunden vor dem großen Crash - darunter der heutige US-Finanzminister Timothy Geithner sowie Vorstandschefs der beteiligten Großbanken. Der Film verdeutlicht, warum auch die deutsche Wirtschaft mit dem Fall von Lehman in ein Beben geriet, das noch Jahre nachhallen wird.