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13. Februar 2012
 

Dokumentation

 
 
Rückblick: Dokumentation vom 28.01.2009 Nachtprogramm
Evo Morales

"Sozialismus oder Tod"

Bolivien und der Kampf um Gerechtigkeit

25. Januar 2009: Evo Morales lässt das Land über eine neue Verfassung abstimmen. Der indigenen Bevölkerungsmehrheit im Land werden darin wesentlich mehr Rechte eingeräumt. Gleichzeitig soll behutsam Rücksicht genommen werden auf die Autonomieforderungen der reichen und "weißen" Provinzen im Tiefland. Seit Monaten stehen sich beide Seiten unversöhnlich gegenüber.

Bolivien ist gespalten in mehrfacher Hinsicht: In Arm und Reich, Hochland gegen Tiefland, indigener Bevölkerung gegen Weiße und Mestizen, armen und reichen Provinzen. In einer Reportagereise durch das ärmste Land Südamerikas wollen wir die Politik von Evo Morales, des ersten Indio-Präsidenten Südamerikas, vorstellen. Wir treffen Menschen, die in ihm eine große Hoffnung sehen. Und andere, die erbittert gegen ihn und seine Vorstellungen von einem sozialistischen Bolivien kämpfen.

Martín Jiménez ist Quechua-Indianer, der mit seiner Familie im Altiplano lebt, also im armen Hochland nicht weit vom Titicacasee. Der Bauer hat karge Einkünfte, gehörte immer zu den Benachteiligten im Land wie so viele Menschen hier oben auf 4.000 Metern Höhe. Martín identifiziert sich mit seinem Präsidenten, er hat ihn gewählt und unterstützt ihn "bis zum Tod", wie er sagt, und glaubt, dass durch Morales endlich die Indios einbezogen sind in Staat und Gesellschaft. Auch seine Mutter profitiert von der neuen Politik, denn als über 60jährige hat sie jetzt erstmals eine staatliche Rente und kann sich im nahen El Alto kostenlos in einem Krankenhaus von kubanischen Ärzten behandeln lassen.

Die schwierigen Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter in Bolivien sind bekannt. Wir reisen weiter nach Potosi. Unser Protagonist ist ein Minenarbeiter, der seit vielen Jahren Silber aus den Tiefen der Erde holt und ein sehr schweres und bescheidenes Leben führt. Die Situation der Minen ist momentan in einer dramatischen Krise wegen des Preisverfalls auf dem Weltmarkt. Minenarbeiter gelten schon immer als große und wichtigste Unterstützergruppe von Evo Morales. Und die Minengewerkschaft ist eine politische Macht im Land. Mit ihren Protesten hat sie schon Präsidenten aus dem Amt gejagt.

Weiter geht es in die Region El Chapare, wo die meisten Koka-Bauern nun weitgehend frei und ohne Reglementierungen des Staates ihre Arbeit machen dürfen. Die Koka-Bauern sind deshalb sehr zufrieden mit der Politik von Evo Morales. Schließlich ist der Präsident einer von ihnen. Sie dürfen größere Flächen bepflanzen und die Polizei ist weit weniger streng als früher. In ganz Bolivien wird Koka auf 31.000 Hektar angebaut. Offiziell für den heimischen Markt und für traditionelle Produkte wie Tee. Die Kehrseite: auch die Kokainproduktion ist seit Amtsantritt von Morales sprunghaft angestiegen, inoffiziellen Angaben zufolge um 50 Prozent.

In der ressourcenreichen Tieflandprovinz Santa Cruz besuchen wir einen Grossunternehmer in der Agrarindustrie. Er verdiente bisher viel mit der Produktion von Soja und Zuckerrohr, doch Morales, der die Unternehmer "Oligarchen" nennt, hat den Export verboten bzw. stark eingeschränkt. Santa Cruz ist die Keimzelle der Oppositionsbewegung gegen den Präsidenten. Die Menschen sind selbstbewusst, verdienen wesentlich mehr Geld als im Hochland und halten vielfach Indios für faul und rückständig. Zum Teil ist der Rassismus ganz offen. Man will nicht die Zeche zahlen für die armen Indios da oben im Hochland, heißt es oft. Die Menschen in Santa Cruz kämpfen schon seit langem für eine weitgehende Autonomie der reichen Provinz. Und dieser Kampf wird auch nach dem Referendum weitergehen, wie auch immer es ausgehen mag am 25. Januar.
 
 

Sendungsinformationen

Kamera: Philippe Guinet

Regie: Carsten Thurau

 

Sendungsinformationen

Mittwoch, 28.01.2009 00:35 - 01:05 Uhr Nachtprogramm

VPS 29.01.2009 00:35

Länge: 30 min

Dokumentation, Deutschland, 2009

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