Als Pervez Musharraf 1999 mit einem Militärputsch an die Macht kam, beschloss die Filmemacherin Sabiha Sumar den Weg eines Präsidenten in Generalsuniform zur Einführung von "Demokratie für Pakistans Massen" mit ihrer Kamera zu begleiten.
Ihr mehrfach preisgekrönter Film ist das ungewöhnliche und sehr persönliche Dokument einer Begegnung mit Musharraf bei einem Abendessen und einer Reise durch ein zwischen westlichen Demokratiehoffnungen und religiösen Fanatikern und Taliban-Anhängern zerrissenen Land.
Kann die Demokratie überhaupt in einem Land überleben, in dem islamistische Fundamentalisten mit säkularen und liberalen Gruppen der Gesellschaft in einen mörderischen Konflikt verstrickt sind? Was bedeutet es für die Zukunft Pakistans, wenn die Gegner jeglicher Demokratie, die bewaffneten Islamisten und Taliban-Anhänger, nur durch die Armee in Schach gehalten werden können? Kann ein General in Uniform wirklich Demokratie wollen?
Seit dem Putsch am 12. Oktober 1999 streiten die pakistanische Filmemacherin Sabiha Sumar und ihre Freunde immer wieder darüber, was der Staatsstreich für sie bedeutet. Können sie, Pakistans Liberale und Oppositionelle, eine Militärregierung unter Pervez Musharraf unterstützen?
Vor etwas mehr als einem Jahr erklärte sich Musharraf bereit, Sabiha Sumar und ihrem Ehemann und Co-Regisseur Sachithanandam Sathananthan bei einem Abendessen in seiner Residenz Rede und Antwort zu stehen.
Bei dem bemerkenswerten Gespräch erläuterte Musharraf, wie er mit dem Konflikt zwischen Islamismus und Demokratie in Pakistan umgehen will. Für die Dokumentarfilmerin Sabiha Sumar war der Dialog mit dem Präsidenten Anlass und Ausgangspunkt für eine Reise in die komplexe und von heftigen Widersprüchen gekennzeichnete Gesellschaft ihres Heimatlandes.
Ihre Reise führt sie von der Hauptstadt Islamabad zu einer Bauernfamilie in Goth Yar Mohammed, einem kleinen Dorf im äußersten Süden Pakistans, wo sich die Bauern als Landlose bei dem Grundbesitzer für eine Hütte und das Nötigste zum Essen verdingen müssen. Wie aber spricht man mit jemanden über demokratische Prinzipien, der nicht einmal sauberes Trinkwasser hat?
In der Nordwestprovinz trifft Sabiha Sumar auf drei Führer der "Vereinigten Aktionsfront". Sie ist in diesem Gebiet die stärkste Partei. Die Mitglieder des religiösen Bündnisses wurden als Kämpfer für den Dschihad, den heiligen Krieg, in Afghanistan ausgebildet. Jetzt sind sie wieder in Pakistan und wollen ihren Kampf für einen islamischen Staat fortsetzen.
Die Menschen auf den Strassen von Karachi, Lahore, Peshavar und Islamabad haben gemischte Gefühle gegenüber Pervez Musharraf: Einige erkennen keinen Unterschied zu der Politik früherer Machthaber, andere halten seine Politik für effektiv, und manche glauben sogar, dass Musharraf der einzige sei, der Pakistan aus seiner gegenwärtigen Krise herausführen könne.
Sabiha Sumar zeigt uns ein Land, das zutiefst gespalten ist. "Demokratie in Uniform" ist ein informativer und zugleich persönlicher Film. Sabiha Sumar lädt uns ein, sich mit ihr auf die Suche nach einem tieferen und besseren Verständnis für die politischen Verhältnisse in Pakistan zu begeben.