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21. November 2009
 

Dokumentation

 
Notker Wolf.
Notker Wolf auf dem Petersplatz

Porträt

Mönch, Missionar und Manager

Abtprimas Notker Wolf spielt auf vielen Bühnen

Die Regel seines Ordensgründers ist ihm nicht genug, könnte man meinen: Neben "ora et labora" - beten und arbeiten - ist Notker Wolf in der ganzen Welt unterwegs, hält Vorträge über Management und rockt an der E-Gitarre. Als Abtprimas ist der 66-Jährige der höchste Repräsentant der Benediktiner, des ältesten Ordens der Christenheit, und damit Chef von 25.000 Mönchen und Ordensfrauen weltweit.

 
 
 
 

Sein "labora" ähnele dem Job eines Top-Managers in einem globalen Unternehmen, sagt Wolf. Dabei geht es ihm bei seinem ganzen Engagement vor allem um eines: "Das christliches Leben als Verwirklichung wahren Menschseins rüberzubringen." Denn Ziel der christlichen Botschaft ist die Menschenwürde und die Beheimatung des Menschen bei einem barmherzigen Gott, so der Benediktiner.

Provokante Gedanken an Tagesordnung

Nicht erst seit einem 2006 veröffentlichten Buch gilt Wolf als streitbarer Ordensmann: Ohne die Aufgabe von Denkgewohnheiten, Sicherheit, Besitz und Ansprüchen könne Deutschland nicht vorankommen, warnt er und kritisiert übermäßige Fürsorge und Bevormundung durch den Staat. Umstrittene Äußerungen aus dem Vatikan zu moralischen Fragen kommentierte er zuvor schon mal als "lebensferne Auseinandersetzungen", und während seiner Zeit als Abt des Klosters St. Ottilien am Ammersee legte er sich unbeeindruckt von den Behörden mit dem bayerischen Innenministerium an. Einer kurdischen Familie, die in die Türkei abgeschoben werden sollte, bot Wolf fünf Jahre lang Asyl im Kloster. Schließlich durften die Flüchtlinge in ein sicheres Drittland ausreisen, der Kontakt zu den Mönchen hält noch immer.

 

In insgesamt 23 Jahren als Erzabt von St. Ottilien setzte sich Wolf für Missions-Neugründungen in zahlreichen afrikanischen Ländern ein, außerdem sorgte er dafür, dass auch in China und Nordkorea an das alte Missionsengagement angeknüpft werden konnte. Im Jahr 2000 wurde er zum Abtprimas gewählt - die Benediktiner wollten ihn schon vier Jahre zuvor an der Spitze des Ordens haben, Wolf lehnte damals jedoch ab. Er sei ein Primus inter Pares, ein erster unter gleichen, betont der Geistliche.

 
Notker Wolf im Sant' Anselmo in Rom.
Notker Wolf im Sant' Anselmo in Rom

Abtprimas Dr. Notker Wolf mit Gitarre. Quelle: FEEDBACK / Notker Wolf
FEEDBACK / Notker Wolf
Der rockende Abtprimas Dr. Notker Wolf

Der rockende Mönch

Geboren 1940 als Sohn eines Schneiders in Bad Grönenbach im Allgäu, trat Wolf direkt nach dem Abitur in das Kloster St. Ottilien ein. Die Lebensbeschreibung eines Südsee-Missionars aus dem 19. Jahrhundert hatte ihn schon als Jugendlicher vom Mönchsein überzeugt. Er studierte in Sant' Anselmo und an der Ludwig-Maximilians-Universität München Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften, darunter Zoologie und Astronomiegeschichte. Nach der Promotion kehrte er als Professor für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie nach Sant' Anselmo zurück. Die sechs Jahre, die er dort mit Studenten verschiedener Nationalitäten arbeitete, zählte er später zu den erfüllendsten seines Lebens. Die Treue hält Wolf auch der ehemaligen Schülerband "Feedback" aus St. Ottilien. So oft wie möglich steht der erklärte Rockmusik-Fan mit Querflöte oder E-Gitarre auf der Bühne.